Weil Fernes nahe liegt

Weil Fernes nahe liegt

Poetische Welt Blog Beitrag 12

Im Reisen wirkt eine jahrtausendalte Kraft

Der Mensch ist ein Reise-Wesen.
Bereits unsere Vorfahren legten
tausende Kilometer zurück, zu Fuß
wohlgemerkt.
Ihnen ging es dabei nicht nur um
das Aufspüren neuer Nahrungsquellen,
nein, der Mensch und seine Ahnen wollten
die Welt, in der sie lebten, erkunden.   
Was Menschen noch mehr antreibt als
Versorgungszwang und Jagdfieber, ist
die Neugierde, ist die Lust zum Entdecken.

In uns Menschen wirkt ein besonderer
Antrieb: die Sehnsucht.
Die Sehnsucht,  neue Welten
kennenzulernen,
die Sehnsucht, in das Unbekannte
vorzudringen.  
Der Wille zum Reisen, so Experten,
ist eine uralte Kraft, die durch die
großen Migrationswellen, die die
Menschheit hinter sich hat, fest in
unser Innerstes eingeschrieben ist.    
Nur durch dieses Streben wurde
die Entdeckung der Welt unter den
riesigen Strapazen überhaupt erst
möglich und ertragbar.

Mittlerweile ist Reisen im Allgemeinen mit
Freizeit, Erholung und Spaß verbunden.
Dennoch wirkt die uralte Abenteuerlust
in uns – wollen wir ja auch im gestylten
Urlaub etwas erleben.
Das Reisen spricht immer noch unseren
Ur-Instinkt an und ist deshalb nach wie vor
faszinierend – angefangen vom Reisefieber
bis hin zur heute üblichen multimedialen
Erzählung des Erlebten. 
Per Handy in Echtzeit, versteht sich. 
Im Kern hat sich aber nichts geändert:
Geschichten vom und übers Reisen zählen
seit Jahrtausenden zum besten Storytelling
überhaupt. 

Die Lust am Reisen – egal, in welcher Form – wird
also bleiben, nicht nur wegen dieses Ur-Sehnens,
sondern auch, weil wir an anderen Orten die
Zeit intensiver erleben:
Das Neue, Fremde und Veränderte genießt unsere
volle Aufmerksamkeit.  
Wir kommen nicht nur an einem Ziel an,
sondern bei uns selbst – unsere Sinne sind  
plötzlich aufs Äußerste geschärft, wiederum
ein Erbe aus der Evolution.
Und: Wir finden beim Reisen Sinn,
erweitern unseren Horizont, lernen dazu.
Ja, die Ferne trägt eine geradezu mystische
Fülle in sich.
Ein Aufbruch für die Seele.

Oliver W. Schwarzmann